Vorwort - Dr. Miriam Andrea Hahn

„Maibaum“ 

Originalholzschnitt (Handdruck) 

von Anna Klein signiert, ohne Zeitangabe.


Dieses Bild hing in Otterndorf über der handgeschnitzten Eichentruhe. Es waren u.a. Erbstücke aus dem grosselterlichen Haushalt von Paula und Florian Hahn. Die Künstlerin Anna Klein  sei eine Verwandte von Paula Hahn, geb. Hamburger, und als Jüdin im KZ ermordet. Details dazu existierten nicht. Ich wurde Chirurgin, wie Grossvater und Vater und lebte in meinem Geburtsort bis zur Auswanderung nach Israel 2007. Erst 2011 wandte ich mich  intensiv der Familienforschung zu, die von Verwandten in Israel und München bereits vorlag. 

Nach der Öffnung vieler Archive begann überall eine intensive Forschung zur Familiengeschichte der ermordeten Juden in der NS-Zeit. So auch bei den Hahn, Hamburger usw. Bereits 1995 hatte ein Münchener  Cousin des Vaters intensiv daran gearbeitet und mir auch  Dokumente überlassen. Im Jahre 2008 erhielt die Gemäldegalerie Dachau den Nachlass von Anna Klein, der bisher im Besitz der Nichte Hanni Klein, verh. Hamburger war. Hanni Klein, die Tochter von Annas ältestem Bruder Sigmund Klein, war mit dem Nachlass nach Australien ausgewandert. Erst im Herbst 2019 fand ich zufällig im Internet die Galerie „Der Panther“ in Freising und sah im Bestand die Werke von Anna Klein. Ich nahm sofort telefonischen Kontakt auf und reiste im November 2019 nach Erding und Dachau um die Privatsammlung und das Anna Klein- Archiv anzusehen. 

Anna war verschollen und aus dem Blick geraten als meine Verwandte, Künstlerin und emanzipierte jüdische Frau zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Plötzlich ist sie präsent und lässt alle Betrachter ihrer Kunst die Fragen stellen, die ihr verwehrt waren.


Dr. Miriam Andrea Hahn                         Tel Aviv, den 17.04.2022